3. Literaturwettbewerb Wartholz
3. Literaturpreis Wartholz an Christian Steinbacher – Newcomerpreis und Publikumspreis an Nellja Veremej
Der in Linz lebende Schriftsteller Christian Steinbacher erhält für seinen Text „Kaum konzertante Konzentrate“ den mit 10.000 Euro dotierten 3. Literaturpreis Wartholz. Sein Text gehöre in die Tradition der deutschsprachigen experimentellen Literatur, ohne ihr ideologisch verhaftet zu sein. „Bei aller Strenge der Komposition bekommt der Leser durch Steinbachers Text ein Verständnis für die Freiheit des literarischen Schreibens“, so die Begründung der Jury.
Der Newcomerpreis (2.000 Euro) geht an die in Berlin lebende und in der UdSSR aufgewachsene Autorin Nellja Veremej. Die Jury überzeugte ihre Geschichte von Herkunft und vorübergehender Ankunft, die Veremej in „Wildgras“ erzählt: „Veremejs Text enthält die geschichtliche und existenzielle Dimension des menschlichen Lebens.“
Auch die Zuschauer entschieden sich bei ihrer Wahl für den Beitrag dieser Autorin, die somit auch mit dem mit 2.000 Euro dotierten Publikumspreis, gestiftet von Künstler für Künstler, ausgezeichnet wird.
Die Texte aller 12 AutorInnen, die beim Wettbewerb gelesen haben, sind ab sofort in Buchform erhältlich. „Wartholz III. Gegenwartsliteratur in der Schlossgärtnerei“ ist im Residenz Verlag erschienen (20 Euro, ISBN 978-3-7017-1545-9).
BIOGRAFIE Christian Steinbacher
geboren 1960 in Ried im Innkreis, lebt seit 1984 als Schriftsteller, Herausgeber und Kurator (u.a. des interdisziplinären Poesiefestivals Für die Beweglichkeit) in Linz. Zusammenarbeiten mit KünstlerInnen diverser Gattungen (zuletzt zu Subjekt/Objekt, Linz 2009). Zuletzt erschienen: Zwirbeln, was es hält (Haymon Verlag 2006), Klotzkopf. Hausgemachte Fiktionen, gem. mit Zsuzsanna Gahse (Edition Thanhäuser 2009).
BIOGRAFIE Nellja Veremej
geboren und aufgewachsen in der UdSSR, Studium in Leningrad, seit Mitte der neunziger Jahre wohnhaft in Berlin. Arbeitet als Russischlehrerin und Übersetzerin, schreibt Kurzprosa und Texte für das Feuilleton der Wochenzeitschrift Freitag.
DER WETTBEWERB
Für den 3. Literaturwettbewerb Wartholz (5. bis 7. Februar 2010) wurden aus 651 Einsendungen von Lyrik bis Prosa die Texte von Volker H. Altwasser (D), Ernesto Castillo (D), Matthias Hirth (D), Margit Kuchler-D'Aiello (A), Gunnar Kunz (D), Bruno Preisendörfer (D), Ferdinand Scholz (D), Clemens Setz (A), Christian Steinbacher (A), Katharina Tiwald (A), Nellja Veremej (D) und Barbara Zeman (A) ausgewählt. Die Jury (Bernhard Fetz, ÖNB Literaturarchiv; Konstanze Fliedl, Universität Wien; Katja Gasser, ORF und Franz Schuh, Schriftsteller und Essayist) hat im Anschluss an die jeweilige Lesung die Beiträge bewertet.
„Das Besondere an Wartholz ist für mich die Auseinandersetzung mit AutorInnen und deren Texten fast ohne das bei Literaturwettbewerben übliche Schielen nach Prominenz und Spektakel und ebenfalls fast ohne die ebenfalls übliche Selbstinszenierung der JurorInnen. Das rührt einmal von der Auswahl der Texte her, die anonymisiert eingereicht und ausgewählt werden, zum anderen liegt es am Ort, gelegen abseits von Fernsehstudios und Literaturbetrieb“, so Juror Bernhard Fetz.
Die Tradition
In den letzten beiden Jahrhunderten diente die Gegend um den Semmering namhaften SchriftstellerInnen als Ort des Rückzugs und der Inspiration: Peter Altenberg kam oft zur Sommerfrische ins Raxgebiet, Heimito von Doderer verfasste Teile seiner Strudlhofstiege in Reichenau, Arthur Schnitzler war bereits als Kind oft im Reichenauer Kurhotel Thalhof zu Gast, Karl Farkas bewohnte eine Villa im Ort.
Diese Tradition soll durch den Literaturwettbewerb Wartholz fortgeführt und ergänzt werden. „Es ist uns ein großes Anliegen, unser Haus für Literatur zu öffnen und Autorinnen und Autoren eine Bühne für ihre Werke zu bieten. Früher war Reichenau untrennbar mit Literatur verbunden. Es freut uns, dass uns das mit dem Wettbewerb auch für neue Texte gelungen ist und Literatur wieder einen festen Platz im kulturellen Leben der Region hat“, so Veranstalter und Gastgeber Christian Blazek.
Finanziert wird der Literaturwettbewerb zu über zwei Drittel von der Schlossgärtnerei Wartholz. Der Rest setzt sich aus Mitteln der Niederösterreichischen Landesregierung und des bm:ukk zusammen.
Kooperationspartner, Förderer und Sponsoren
Niederösterreichische Landesregierung, bm:ukk, Marktgemeinde Reichenau an der Rax, Blazek Garten, Volltext, Residenz Verlag
Preisträger (2008 und 2009)
Mit dem Literaturpreis ausgezeichnet wurden bisher Andrea Winkler (2008, Jury: Bettina Balàka, Katja Gasser, Bernhard Fetz und Wendelin Schmidt-Dengler) und Michael Stavaric (2009, Jury: Meike Fessmann, Katja Gasser, Bernhard Fetz und Hubert Winkels).